Variantenauswahl im 6. Dialogforum vorgestellt

Am Montag, 26.10., wurde auf dem Dialogforum zur Rheinspange 553 die Variantenauswahl des Bundes- und Landesverkehrsministeriums durch Straßen.NRW vorgestellt.

Aus den knapp 20 Variationsmöglichkeiten sind neun in die engere Auswahl gekommen. Diese werden nun detailliert auf Vor- und Nachteile geprüft und dann im Frühjahr 2021 letztlich in einer Vorzugsvariante enden, die dann zur Ausführung kommen soll.

Hierbei wird Straßen.NRW maßgeblich von drei Gutachterbüros unterstützt, die die Hauptentscheidungsschwerpunkte Umwelt, Wirtschaftlichkeit und verkehrliche Wirkung detailliert untersucht und in Ihrer Gesamtheit bewertet haben.

17 Varianten bildeten dafür die Grundlage. Diese Verläufe verbinden mögliche Anknüpfungspunkte der A555 im Linksrheinischen, mit den rechtsrheinischen Anschlusspunkten der Flughafenautobahn A59. Zwischen diesen Anbindungsmöglichkeiten gab es dann noch verschiedene Autobahnverlaufsvarianten, sowohl mit und ohne Berücksichtigung einer Tunnelvariante.

Die Auswahl

Insgesamt 8 Varianten wurden als nicht realistisch durchführbar aussortiert. Darunter gleich 3 der 4 Nord-Varianten die vom Startpunkt in Godorf ausgingen und somit durch (unter oder über) das Retentionsbecken zwischen Langel und Lülsdorf verliefen. Diese belegten nur hintere Plätze in der Gesamtrangliste bei der Zielerfüllung. Aus den verbleibenden 17 Trassenverläufen wurden abschließend neun Varianten in Abstimmung mit Landes- und Bundesverkehrsministerium festgelegt, die weiter vertieft untersucht werden sollen, um im Frühjahr 2021 die Vorzugsvariante festzulegen. Diese wird dann in die Baugenehmigungsplanung übernommen.

Eine detaillierte Beschreibung des sehr komplizierten Verfahrens und grafische Darstellungen aller Varianten findet man auf den Seiten der Infomesse von Straßen.NRW.

Quelle: Straßen.NRW

Die Nordvariante

Die einzige Variante, die noch an Langel vorbeiführen würde, liegt bei den restlichen neun Varianten auf dem letzten Platz. Jedoch kann nach der vertiefenden Analyse auch diese Variante immer noch zur Ausführung kommen, wenn die Summe der Vorteile gegenüber den restlichen acht nach der vertiefenden Analyse überwiegt.

Wirtschaftlichkeit

Nach Ansicht des Gutachters ist der Ausbau des „Godorfer-Autobahnkreuzes“ in Kombination mit dem Brückenbauwerk sehr aufwendig und mit ca. zehn Jahren Bauzeit immens zeitintensiv. Zudem werden Kosten von mehr als einer halben Milliarde Euro erwartet. Im Vergleich dazu sollen die Varianten auf den vorderen Rängen den Steuerzahler weniger als die Hälfte kosten und die prognostizierte Bauzeit läge bei nur 6 Jahren.
Durch ihre Komplexität beeinflusst die Bauphase die dort ansässige Industrie erheblich. Dadurch fällt die wirtschaftliche Bewertung der Nordvariante negativ aus.

Umweltauswirkungen

Ein weiterer Indikator für das schlechte Abschneiden der nördlichen Autobahnquerungen ist die umweltfachliche Bewertung. Schon aufgrund dieses Gutachtens wäre der Bau einer Autobahn bereits ein alleiniges Ausschlusskriterium.

Die im Gutachten aufgeführten Gründe sind unter anderem:

  • die Verlärmung und Verschattung zahlloser Wohngebiete,
  • die Querung des Langeler Rheinbogens als sehr bedeutendem Erholungsraum,
  • eine starke Beeinträchtigung von unzerschnittenen, verkehrsarmen Räumen ,
  • Eingriffe in das Flora-Fauna-Habitat-Gebiet (FFH) „Rhein-Fischschutzzonen zwischen Emmerich und Bad Honnef“ und in das Naturschutzgebiet „Lülsdorfer Weiden“ am rechten Rheinufer,
  • die Querung einer Wasserschutzzone II (Wasserschutzgebiet Zündorf) auf ca. 980 Meter Länge,
  • sowie der Eingriff in den Retentionsraum Langel.

Verkehrsauswirkungen

Weiter gibt Straßen.NRW Einblicke in die verkehrliche Bewertung. Einzig hier erfahren die nördlichen Varianten positivere Bewertungen, wobei diese primär aus der Entlastung der nördlich gelegenen Rodenkirchener Brücke herrühren, deren Ausbau von aktuell sechs auf acht wenn nicht sogar auf zehn Spuren in einem parallelen Dialogforum diskutiert wird. Die südlich gelegene Friedrich-Ebert-Brücke soll wegen extremer Baufälligkeit komplett erneuert werden. Allerdings soll die Anzahl der Fahrspuren dabei nicht erhöht werden, was eigentlich aus verkehrlicher Sicht für die südlicheren Varianten einer Rheinspange 553 sprechen müsste.

Nullvariante

Die vorgestellte Variantenauswahl zeigt auch, dass eine Nullvariante nicht auf den vorderen Plätzen vertreten ist. Daraus lässt sich folgern: eine Nullvariante wurde nicht geprüft, bzw. vom Gutachter vorgeschlagen. Auch ist die Reihenfolge der Varianten noch nicht in Stein gemeißelt. Noch kann alles anders kommen. Alle Varianten für die vertiefende Analyse werden quasi auf „null“ gesetzt und neu gegeneinander bewertet. Letztendlich entscheidet die Politik.

Wir müssen weiter für eine Nullvariante kämpfen, denn Klima- und Verkehrswende brauchen keine neue Rheinquerung 553!